Warum bin ich ständig müde, obwohl ich ausreichend schlafe?

ALLE, LIFESTYLE, NERVENSYSTEM | Matilda Jelcic

Ich erinnere mich noch genau an diese Phase. Ich war noch Angestellte, hatte einen stressigen Job und kam morgens schon erschöpft ins Büro. Nicht weil ich zu wenig geschlafen hatte, sondern weil der Schlaf einfach nichts gebracht hat. Meine Kollegen hatten mich irgendwann angesprochen, weil ich auffällig oft gegähnt habe und sehr erschöpft wirkte. Mir war das bis dahin gar nicht richtig bewusst und ich hatte auch keine Erklärung dafür.

Ich war den ganzen Tag energielos. Die Erschöpfung saß nicht nur im Körper, sie saß irgendwo tiefer. Ich wollte etwas verändern, wusste aber nicht wie und wo ich anfangen sollte. Dazu kam die Einsamkeit, die sich durch eine lange Single-Phase zog, und das dumpfe Gefühl, in einem Leben festzustecken, das nicht meins war. Ich habe damals nicht gewusst, dass das alles zusammenhängt. Dass dieser innere Dauerstress, diese unausgesprochene Anspannung, mein Nervensystem rund um die Uhr im Alarmmodus gehalten hat. Das wurde irgendwann mein neues „Normal“ und ich habe es gar nicht mehr als Anspannung oder Überforderung wahrgenommen.

Erschöpfung entsteht oft nicht nur durch Schlafprobleme

Wenn Frauen erzälen, sie sind ständig müde, fragen die meisten als erstes: „Vielleicht schläfst du nicht gut genug?“ Oder: „Hast du dein Eisen checken lassen?“ Beides kann stimmen. Aber in sehr vielen Fällen liegt die Ursache woanders: im autonomen Nervensystem, also dem Teil in uns, der vollautomatisch läuft und dafür zuständig ist, uns am Leben zu erhalten.

Dieses System kennt zwei Grundzustände. Entweder ist es in Alarmbereitschaft, also aktiv, wachsam, bereit zu reagieren, oder es ist in Ruhe, regeneriert und lässt den Körper sich erholen. Das Problem entsteht, wenn du dauerhaft unter innerem Druck stehst. Das muss kein dramatischer Stress sein, sondern kann auch das ständige Funktionieren ohne echte Pause sein, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse, das Nicht-Nein-sagen-Können. All das hält das Nervensystem im Alarmmodus, auch nachts, auch wenn du im Bett liegst und schläfst.

Der Körper schläft dann zwar, aber er erholt sich nicht wirklich. Weil er immer noch auf Bereitschaft läuft. Weil da noch etwas ist, das verarbeitet werden will: ein ungelöster Konflikt, eine Situation ohne sichtbaren Ausweg, ein Gefühl, das du schon so lange mit dir trägst, dass du gar nicht mehr weißt, dass es da ist.

Was Dauerstress im Körper auslöst

Dauerstress im Nervensystem ist nicht dasselbe wie kurzfristiger Stress, den du kennst, wenn der Zug zu spät kommt, du im Stau stehst oder du einen wichtigen Termin hast. Das geht vorbei. Was ich meine, ist der Zustand, in dem du gar nicht mehr weißt, wie sich entspannt sein eigentlich anfühlt, weil es schon so lange her ist.

In diesem Dauerzustand produziert der Körper ständig Stresshormone wie Cortisol. Irgendwann werden die Speicher leer. Das Immunsystem läuft auf Sparflamme. Die Verdauung macht Probleme. Der Kopf ist voll und gleichzeitig leer, dieses typische Brainfog-Gefühl, wenn du einen Satz dreimal liest und er trotzdem nicht ankommt. Dazu kommt diese Müdigkeit, die kein Schlaf wegmacht, weil sie nicht durch Schlafmangel entsteht.

Bei vielen Frauen ab 40 kommt noch die hormonelle Veränderung der Wechseljahre dazu, die ein ohnehin schon gestresstes Nervensystem zusätzlich belastet. Die Symptome überlappen sich so stark, dass viele gar nicht wissen, was wovon kommt.

Warum kurzfristige Übungen alleine nicht reichen

Viele Frauen haben Atemübungen ausprobiert, kalte Duschen, Meditation, die 4-7-8-Technik. Es hilft kurz. Dann ist alles wieder wie vorher. Das liegt nicht daran, dass diese Methoden falsch sind, sie vermindern kurzzeitig die Erschütterung, aber sie verändern nicht die Stresskapazität.

Ich erkläre das gerne mit einem Wasserglas. Stell dir ein Glas vor, das deine Stresskapazität darstellt, gefüllt bis zum Rand mit Wasser, das den Stress darstellt. Bei jeder kleinsten Erschütterung im Alltag schwappt Wasser darüber. Diese kurzfristigen Übungen versuchen, das Beben zu verhindern oder zu minimieren, damit weniger überläuft. Das Wasser wird dadurch jedoch nicht weniger, denn das Glas füllt sich automatisch wieder auf, da wieder Stress folgt.

Genau hier setzt ein Teil meiner Arbeit an: wir vergrößern gemeinsam das Glas, also deine Stresskapazität, sodass der Inhalt auch bei Erschütterungen genug Platz hat. Ein schwieriger Tag fühlt sich dann nicht mehr wie ein Erdbeben an, sondern eher wie ein kurzer Stoß, nach dem sich das Wasser von alleine wieder glättet. Denn die äußeren Einflüsse lassen sich meistens weder verhindern noch kontrollieren. Was sich verändern lässt, ist, wie sie auf dich wirken und wie du damit umgehst, sodass Stress oder größere Herausforderungen dich nicht mehr komplett aus der Bahn werfen, sondern du die Welle sicher surfst und sie sich dann von alleine wieder legt.

Wenn dich interessiert, wie das Nervensystem dabei genau funktioniert und warum es für echte Veränderung Zeit und Raum für Integration braucht, findest du hier meinen Artikel dazu.

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Der Moment, in dem sich etwas verändert hat

Bei mir gab es irgendwann einen Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass ich so nicht bis zur Rente weitermachen kann. Ich hatte keinen Plan, keinen Notausgang, aber meine Schmerzgrenze war erreicht, so dass der Mut größer war als meine Angst. Ich bin gegangen, ohne zu wissen, was als nächstes kommt.

Was danach kam, war nicht einfach, ich will das nicht beschönigen. Aber seitdem ich mit meinem Nervensystem arbeite, gehe ich diesen Weg anders. Sicherer, mehr ich selbst und mit mehr Vertrauen in mich. Nicht weil ich eine andere Matilda geworden bin, sondern mehr ich und weil mein System gelernt hat, dass der permanente Alarmmodus nicht notwendig ist.

Genau das ist es, womit ich heute andere Frauen begleite.

Wenn du spürst, dass du bereit bist, nicht nur die Symptome zu lindern, sondern wirklich etwas zu verändern, dann schau dir gerne an, wie eine Zusammenarbeit mit mir aussehen kann. Die Arbeit am Nervensystem braucht Zeit, Regelmäßigkeit und Tiefe. Dafür verändert sie etwas, das bleibt und du kannst erfahren, wie sich Lebendigkeit, Leichtigkeit, Energie und Lebensfreude anfühlen können.

Hinweis

Die Inhalte meiner Artikel und Beiträge dienen ausschließlich der allgemeinen Information und persönlichen Inspiration. Sie stellen keine medizinische, therapeutische oder gesundheitliche Beratung dar und ersetzen keinesfalls den Besuch bei einem Arzt, Heilpraktiker oder einem anderen qualifizierten Gesundheitsexperten.

Ich gebe keine Heilversprechen und übernehme keine Haftung für Schäden oder Folgen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung oder dem Gebrauch der in meinen Artikeln beschriebenen Informationen entstehen. Jeder Mensch ist einzigartig, und was für den einen hilfreich ist, muss nicht zwangsläufig für den anderen geeignet sein.

Bitte konsultiere bei gesundheitlichen Beschwerden, akuten oder chronischen Erkrankungen sowie vor der Anwendung von Empfehlungen stets einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft.

Die Nutzung der hier bereitgestellten Informationen erfolgt auf eigene Verantwortung.

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