Das autonome Nervensystem

Alle, Nervensystem | Matilda Jelcic

Aufbau, Funktionsweise und Aufgabe

Ich finde es auch wichtig und mir geht es so, dass ich bei solchen Themen immer auch meinen Verstand füttere. Wenn ich etwas verstehe und nachvollziehen kann, dann hat das oft einen viel höheren Effekt bei der Arbeit und Umsetzung. Also füttern wir dein Gehirn dann mal mit Fakten über das autonome Nervensystem 🙂


Der Aufbau


1. das zentrale nervensystem

Im ZNS findet die Verarbeitung der Reize statt, die als Empfindungen, Signale oder Wahrnehmungen aus der Umwelt kommen. Durch das ZNS werden bewusste Reaktionen ermöglicht. Denkprozesse, Bewegung (Motorik), Sprache. Auch das Gedächtnis ist hier verankert. Grob gesagt, ist das der Sitz des Bewusstseins und ist die Steuerzentrale des menschlichen Organismus. 


2. das periphere nervensystem, welches man wiederum unterteilt in:

>  das somatische/ willkürliche nervensystem 
>  das autonome/ vegetative nervensystem


Wir haben hier einmal die Hirnnerven, die mit dem Gehirn verbunden sind und die Spinalnerven, die mit dem Rückenmark verbunden sind und die Verzweigungen der Nerven im gesamten Körper. Diese verbinden also die Peripherie (das Außen) mit dem Zentralen NervenSystem (dem Innen).

Das somatische Nervensystem ist für alles verantwortlich, was wir willkürlich steuern (motorisch), wie z. B. die Muskulatur. Wenn wir etwas greifen oder laufen wollen. Das somatische NS empfängt dabei Informationen aus dem Gehirn und gibt diese an die Muskulatur weiter. Gleichzeitig sendet es auch Informationen von der Muskulatur an das Gehirn.

Das autonome Nervensystem ist dagegen für alles verantwortlich, was automatisch (daher auch autonom) in uns gesteuert wird.

Die Hauptaufgabe des autonomen Nervensystems liegt darin, unser Überleben sicherzustellen. Das ist für alle nachfolgenden Prozesse und auch die Zusammenhänge mit unserem sogenannten SEINS-Zustand wichtig.

Dazu steuert es folgende Vorgänge und Prozesse:

  • Steuerung der unwillkürlichen und lebenserhaltenden Prozesse im Körper, wie z. B. Herzschlag, Atmung, Immunsystem und die Verdauung
  • Die Aktivierung des Überlebensmodus in Gefahrensituationen. Entweder stellt sich ein Kampf- oder Fluchtverhalten ein oder ein vollständiges    Erstarren/Kollaps, wenn kämpfen oder fliehen, keine Option darstellen. > Es ermöglicht den sozialen Austausch und Interaktion, also ein Überleben über soziale Zugehörigkeit/ gegenseitige Unterstützung zu sichern.


Wie man an dem obigen Schaubild erkennen kann, ist das Autonome Nervensystem für viele Vorgänge im Körper zuständig. Wie schon erwähnt, steuert es diese Funktionen automatisch, also ohne unser Zutun. Der Einfachheit halber sei gesagt, wenn ich ab jetzt vom Nervensystem rede, meine ich immer das autonome Nervensystem!

Dabei ist der Sympathikus der aktivierende und der Parasympathikus der regulierende/entspannende Teil des Nervensystems. Das heißt also, wenn mein Herz plötzlich aus Angst anfängt, schneller zu schlagen, dann ist das der Sympathikus, der in Aktion tritt. Dagegen beim Meditieren z.B. wird der Parasympathikus aktiviert, wenn mein Atem ruhiger wird und mein Herz entspannt und ruhig schlägt.

Der SYMPATHIKUS

unser gaspedal im autonomen nervensystem

Nehmen wir an, du bist vor ein paar tausend Jahren ganz entspannt beim Spazieren durch die Natur. Plötzlich taucht aus dem Nichts ein Säbelzahntiger auf und steht ein paar hundert Meter entfernt. Was passiert? Also im Normalfall würde ich wohl nicht ganz entspannt weiterspazieren 😉 Nein, im Gegenteil, der Körper ist plötzlich in Alarmbereitschaft.

  • Die Pupillen weiten sich, um mehr zu erfassen.
  • Das Herz schlägt schneller, um mehr Blut und Sauerstoff in den Körper und vor allem die Muskulatur zu bringen , für einen möglichen Kampf oder Flucht.
  • Adrenalin wird ausgeschüttet.
  • Deine Muskeln spannen sich an.
  • Dein Gehör ist fokussierter, um Geräusche herauszufiltern.
  • Die Bronchien in deinen Lungen erweitern sich, da der Atem schneller gehen muss, für Kampf oder Flucht
  • Der Glykogenspeicher in der Leber wird angestoßen, um so viel Zucker und Energie wie möglich in den Blutkreislauf zu schicken. Somit steigt der Blutzuckerspiegel rapide an.
  • Deine Gefäße verengen sich und dein Blut wird dicker. Dadurch steigt der Blutdruck. Das ist der Wahnsinn, wenn mann bedenkt, dass dadurch verhindert wird, bei möglichen Verletzungen zu schnell zu verbluten. Der Hammer oder?!

Diesen Zustand des Nervensystems nennt man Fight/ Flight Modus. Der Körper macht sich bereit, um entweder zu kämpfen oder zu fliehen. (Es gibt hier noch den sog. Fawn Modus. Das bedeutet, dass man in manchen Situationen beschwichtigend handelt. Das sind dann die sog. people pleaser. Man geht Konfrontationen aus dem Weg.)

Im Gegensatz dazu werden andere Funktionen im Körper gedrosselt, um die Energie und alle Ressourcen für einen möglichen Kampf oder Flucht zu mobilisieren:

  • Mit logisch Denken, ist dann in dem Moment erstmal nix mehr. Das Blut aus deinem Gehirn wird nämlich dringend für andere Funktionen, wie die Muskeln benötigt. Ich meine, du musst in so nem Moment auch nicht gerade die Wurzel aus …  ziehen, nicht wahr? Der präfrontale Kortex fährt also mal ziemlich runter.
  • Deine Verdauung macht auch mal kräftig Pause. Genauso wie die Blase. Es kann also auch gut sein, dass du dir vor Angst tatsächlich in die Hose machst, wie man so schön sagt. Denn das ist auch Ballast, den man beim Rennen nicht braucht. Krass, wenn auch unangenehm!
  • Dein Immunsystem brauchst du in dem Moment dann auch nicht, das fährt dann also auch runter. Denn auch die Energie wird an anderer Stelle gebraucht.

Und das passiert in 14 Mikrosekunden!!!!!!!!!!!!! 14 Mikrosekunden. Lass dir das mal auf der Zunge zergehen! Ich bin immer wieder von unserem Körper fasziniert.

Joah, jetzt isses aber so, dass wir im 21. Jahrhundert leben und es keine Säbelzahntiger mehr gibt. Das Ding ist nur, dein Gehirn macht da keinen Unterschied! Wenn du jetzt also in eine, von dir als Bedrohung wahrgenommene Situation gerätst, dann passiert genau das alles wieder in deinem Körper. So eine Bedrohung können dein Partner, Kind(er), Eltern oder Arbeitskollegen sein. Du kannst dich erinnern, mit Logik ist in so einer Stresssituation nix mehr! Du hängst voll im hinteren Reptiliengehirn fest. Dann kommen vielleicht noch Erinnerungen (bewusst oder unbewusst) hoch, die dein Gedankenkarussell (auch nicht logisch) zum Drehen bringen. Du malst dir die schlimmsten Szenarien aus etc….! Also das heißt, wenn du nun dauerhaft in einem Stresszustand steckst, ob mit deinem Partner oder bei der Arbeit, dann ist auch dauerhaft:

  • Deine Gefäße sind ständig geweitet und somit dein Blutdruck erhöht (Bluthochdruck).
  • Adrenalin wird ausgeschüttet und dann, wenn das alle ist, kommt das Cortisol. Beides Stresshormone. Das kann zu einer Nebennierenschwäche führen.
  • Dein Atem geht schneller und flacher, dein Körper wird auf Dauer nicht richtig mit Sauerstoff versorgt.
  • Dein Herz schlägt ständig schneller (verschiedenste Herzprobleme).
  • Dein Blutzuckerspiegel ist dauerhaft erhöht, das kann zu Diabetes 2 führen.
  • Dein Immunsystem ist auch dauerhaft geschwächt, somit neigst du eher zu Infekten.
  • Deine Muskulatur ist angespannt und kann zu dauerhaften Verspannungen und chronischen Schmerzen führen.
  • Deine Verdauung ist auch reduziert. Manche bekommen Verstopfung oder andere ständig Durchfall.
  • Du kannst nicht logisch denken, bzw. einen klaren Gedanken fassen, Lösungen finden oder logische Zusammenhänge knüpfen.

Du siehst, für den Körper alleine, ist das auf Dauer gesehen eine Höchstleistung und kann nicht gesund sein. Deswegen spreche ich auch bei vielen Krankheiten von Stresskrankheiten. Das Nervensystem ist also dauerhaft dysreguliert. Wir brennen irgendwann aus > Burnout, Depression, diverse chronische Krankheiten können entstehen.


Der PARASYMPATHIKUS

unsere bremse im autonomen nervensystem

Der Parasympathikus erzeugt genau das Gegenteil:

  • Der Blutdruck sinkt
  • Die Muskulatur entspannt sich
  • Der präfrontale Kortex ist aktiv (Logik/ Kreativität)
  • Die Bronchien werden verengt
  • Der Herzschlag verlangsamt sich
  • Die Verdauung läuft
  • Die Blase arbeitet normal
  • Die Nebenniere funktioniert wieder normal

Kurz gesagt, du fühlst dich entspannt und deine Körperfunktionen laufen normal und gesund. 

Ich will an der Stelle jedoch noch etwas weiter in das Thema einsteigen, denn seit der sog. Polyvagal-Theorie von Steven Porges ist bekannt, dass der Parasympathikus aus 2 Zweigen des Vagusnervs besteht und nicht wie früher angenommen nur aus einem:

1. Ventrale Zweig des Vagusnervs, der an der Körpervorderseite verläuft (ventral = vorne)

2. Dorsaler Zweig des Vagusnervs, der an der Körperrückseite verläuft (dorsal = hinten)


der dorsale vagus:

Dieser ist evolutionär der älteste und primitivste Teil des autonomen Nervensystems und bei der Geburt bereits vollständig entwickelt. Er stimuliert alle Organe unterhalb des Zwerchfells, besonders die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane und sorgt für die Regeneration und Erhaltung der Prozesse. Er ist wichtig, um das System herunterzufahren, wie beim Schlafen oder bei Tieren auch der Winterschlaf. Hier sind dann nur noch die notwendigsten Körperfunktionen aktiv.
Der dorsale Vagus ist für die Immobilisierung, Schmerzreduktion und Bewusstlosigkeit zuständig und hat Verbindung zum limbischen System im Gehirn, welches für Emotionen und Gedächtnis zuständig ist.
Er kennt allerdings auch keine Abstufungen beim Bremsprozess. Daher wird er gerne als Notbremse bezeichnet und ist sozusagen die letzte Option, um über den Stillstand und das Herunterfahren des Systems, das Überleben zu sichern.

Was kann er im emotionalen Gemütszustand bewirken:

  • Rückzug
  • Shutdown
  • Kollaps
  • Empfindungslosigkeit, wie benebelt
  • Aktivitäten werden nur der Form nach ausgeübt, ohne echtes Gewahrsein
  • Die Verbindung zu sich selbst, anderen, der Welt und dem Geist wird verloren
  • Sich verloren, verlassen und/oder unsichtbar fühlen.
  • Zustand des Nichtwissens, Nichtfühlens, Nichtseins

der ventrale vagus:

Dieser bildet sich ca. ab der 32. Schwangerschaftswoche und bis ca. zum 7. Lebensjahr zu Ende aus. Solange dieser noch nicht "fertig entwickelt" ist, wird man als Kind über die Bezugspersonen Co-reguliert. D.h. ich bin mit dem Nervensystem von z.B. meiner Mutter verbunden. Dadurch spürt das Kind ganz natürlich auch den SEIN's-Zustand der Mutter (oder einer anderen engen Bezugsperson) und in reguliertem Zustand auch die Mutter zum Kind. Der ventrale Vagus ist die sanfte Bremse in uns. Wenn wir entspannt sind, ist dieser aktiviert. Durch bestimmte Methoden können wir ihn auch aktiv selbst regulieren. 

Der Vagusnerv an sich entspringt unterhalb vom Hirnstamm, ist mit den ganzen Gesichtsnerven verbunden und verlässt durch eine kleine Öffnung im hinteren Teil der Schädelbasis den Schädel und verläuft an der Wirbelsäule entlang bis zum Bauchraum. Man kann ihn also durch bestimmte Übungen stimulieren. Z.B. durch Summen, der er durch den Hals läuft, durch den Atem, da er mit der Lunge verbunden ist. Er ist mit jedem Organ verbunden, nur fällt es uns schwerer, z.B. die Nieren als solches wahrzunehmen.

Was kann er im emotionalen Gemütszustand bewirken:

  • Innere Sicherheit verkörpern
  • Co-Regulation
  • Selbstregulation
  • Verbindung zu sich selbst (Geist-Seele), zu anderen
  • Mitgefühl für sich und andere
  • Erforschen von Möglichkeiten
  • Bitten um Unterstützung, selbst unterstützen
  • Mit wertvollen Ressourcen ausgestattet und einfallsreiche Eingebungen

Wenn also der ventrale Vagus "aktiv" und reguliert ist, befinden wir uns in einem entspannten emotionalen Zustand. Wie du beim Parasympathikus ja bereits erfahren hast, schenkt dieser uns also gesundheitliche UND emotionale Vorteile. Unsere Stresstoleranz steigt, wir werden nicht mehr so schnell getriggert bzw. können mit herausfordernden Situationen besser und konstruktiver umgehen. Je weniger gestresst wir auf Dauer sind, umso positiver wirkt sich das auf unsere Gesundheit aus. Daher macht es Sinn, bei der Persönlichkeitsarbeit anzusetzen.


kein besser oder schlechter

Ich will an der Stelle noch betonen! Hier ist kein Teil des Nervensystems besser oder schlechter! Jeder Teil hat seine berechtigte Aufgabe und ist superwichtig. Denn falls du mal WIRKLICH in eine echte Gefahrensituation kommst, bist du ziemlich dankbar, für die 14 Mikrosekunden, die Dein Körper dann braucht, um blitzschnell und automatisch reagieren zu könne. Z.B. wenn ein Auto angerast kommt und du schnell zur Seite springst, oder du stehst in der Küche und dir fällt ein Messer runter. Automatisch ziehst du den Fuß nach hinten. Hier geht es mir um den DAUERZUSTAND von Stress! Dieser muss nicht sein und man kann hier mit derm Embodiment wunderbar arbeiten, um wieder oder endlich in einen emotional stabilen und dadurch gesünderen und glücklicheren SEINS-Zustand zu kommen, denn 

Es geht nicht darum glücklich zu werden, sondern glücklich zu SEIN. (Unbekannt)

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